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Judo
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Was ist Judo? Judo ist kein alter japanischer Kampfsport, sondern entstand erst um 1900. Judo wurde zwar in Tokio aus der Taufe gehoben, aber Pate stand der deutsche Professor Dr. Erwin von Baelz, damaliger Leibarzt des japanischen Kaisers. Baelz war es, der seinem Schüler Jigoro Kano die Idee zur Entwicklung der Judoregeln eingab. Dabei ging es dem Mediziner zunächst um einen Sport, der, anders als das gefährliche Jiu-Jitsu, Körpertraining durch den "Weg des sanften Nachgebens" versprach. Erst viel später erkannte man, dass der Judosport gegenüber dem Jiu-Jitsu auch den Vorteil hat, in modernen Wettkämpfen besser bewertbar zu sein. Die ersten Judokämpfe in Europa wurden 1906 auf Londoner Zirkusbühnen vorgeführt. In Deutschland wird seit 1932 Judo gekämpft. Nach dem II. Weltkrieg verboten die westlichen Siegermächte (bis 1948) den Deutschen den Judosport als Kunst der Selbstverteidigung, weil den Deutschen nach damaligem Siegerverständnis Selbstverteidigung nicht zustand. Der Deutsche Judo-Bund wurde 1956 gegründet und hat inzwischen etwa 230 000 Mitglieder. Es gibt nationale, europäische und Weltmeisterschaften für Damen und Herren. Seit 1964 ist Judo olympische Disziplin, ab 1992 nehmen auch Damen an den olympischen Judokämpfen teil. Das sportliche Judo ist zugleich Kampfsport und Selbstverteidigungsart. Gefährliche Griffe, Schläge und Stöße sind verboten. Entsprechend der asiatischen Philosophie soll der Gegner nicht sein Gesicht verlieren und geschlagen werden. Vielmehr will der bessere Kämpfer durch Selbstbeherrschung, Abwarten, Nachgeben, Konzentration, innere Harmonie, schließlich durch blitzschnelle Aktionen die Absichten des Gegners zunichte machen. Judo gehört, zusammen mit anderen japanischen Kampfkünsten (vgl. Aikido, Jiu-Jitsu und Karate), zur Gruppe der Budo Kämpfe. Budo heißt sinngemäß "ritterlicher Weg" und meint den gemäß der Zen-Philosophie richtigen Weg zur eigenen Stärke durch geistige und körperliche Selbstbeherrschung. Die Kampffläche ist mindestens 8 mal 8 Meter, höchstens 10 mal 10 Meter groß, umgeben von einer 1 Meter breiten Gefahrenzone. Die Matte soll aus Reisstroh oder ähnlichem Material gefertigt und gepolstert sein. Die Kämpfer heißen Judoka. Die weiße Judokleidung wird Judo Gi genannt und besteht aus einer weißen, aus reißfestem Stoff gearbeiteten, weiten Kimonojacke mit weiten Ärmeln bis zur Hälfte der Unterarme, aus einer weiten Hose bis zur Hälfte der Waden und dem Obi, einem Gürtel in der Rangfarbe des Kämpfers. Die Rangfarben werden nach Schüler- und Meisterfarben unterschieden. Nach fünf Schülergraden erwirbt man den ersten Meistergrad: Dan. Die Dan-Grade 1 bis 5 tragen einen schwarzen Gürtel, die Dan-Grade 6 bis 9 einen rotweißen und der 10. Dan einen roten Gürtel. Den jeweils nächst höheren Meistergrad kann man nach frühestens 1 Jahr durch Prüfung erwerben, für besondere sportliche Leistungen kann der Grad auch verliehen werden. Den 10. Dan haben bisher nur Japaner inne. Es gibt Kampfklassen für Schüler (bis 14 Jahre), Jugend (bis 18), Junioren (bis 21). In den internationalen Wettkämpfen stellen sich überwiegend die Senioren (ab 21 Jahre), und zwar nach Gewichtsklassen : (Herren), Superleichtgewicht bis 60 kg, Halbleichtgewicht bis 65 kg, Leichtgewicht bis 71 kg, Halbmittelgewicht bis 78 kg, Mittelgewicht bis 86 kg, Halbschwergewicht bis 95 kg, Schwergewicht über 95 kg. Die Allkategorie ist eine weitere, offene Klasse, in der ohne Gewichts- und Gradbeschränkung gekämpft werden darf. Für Damen gibt es die Gewichtsklassen bis zu 48, 52, 56, 61, 66, 72 und über 72 Kilogramm. Die Kampfregeln: Zu Beginn eines Kampfes verbeugen sich die Judoka voreinander und vor dem Mattenrichter; dann ruft letzterer "Hajime", und der Kampf beginnt. Die Kämpfer fassen einander zunächst an den Jacken an und versuchen, den Gegner durch Platzwechsel, Ziehen, Drücken oder Anheben aus dem Gleichgewicht zu bringen. Wenn das gelingt, folgt ein Wurfversuch, dem der Verteidiger durch Ausweichen, Drehen, Pendeln, Abblocken mit den Händen und andere Maßnahmen zu entgehen versucht. Die Regeln sehen für jede der über 80 Wurftechniken eines Angreifers eine Gegenwurftechnik vor, die geeignet ist, den Angriff zunichte zu machen und zum eigenen Wurfangriff überzugehen. Es gibt Würfe aus dem Stand und Würfe aus der eigenen seitlichen oder Rückenlage auf der Matte. Gelingt ein Wurf aus dem Stand, so dass der Verteidiger platt auf dem Rücken oder seitlich mit Schulter und Gesäß zu liegen kommt, so ist der Kampf mit einem Ippon beendet, der Sieger bekommt in der Kampfliste 10 Punkte. Ippon gibt es ebenfalls, wenn der Verteidiger durch Zuruf oder Abklopfen auf der Matte aufgibt, wenn der Mattenrichter den Erfolg eines Armhebels oder einer Würgetechnik klar erkennt oder der Angreifer seinen Gegner nach dem Ansagen ("Festhalte!") 30 Sekunden auf der Matte festhalten kann. Wird kein Ippon erzielt, geht der Kampf über die volle Zeit von 5 Minuten. Dabei zählt ein fast gelungener Wurf (Waza-Ari) 7 Punkte auf der Kampfliste. Eine Ermahnung wegen Regelverstoß heißt Shido, Chui oder Keiku und hat 3, 5 oder 7 Punkte für den Gegner zur Folge. Endet ein Kampf nur mit leichter Überlegenheit (Koka), gibt es 3 Punkte. Bei Regelwidrigkeiten kann es der Mattenrichter bei einer Belehrung bewenden lassen, er kann sie aber auch mit Ermahnung beziehungsweise Verwarnung ahnden. In schweren Fällen kann ein Kämpfer disqualifiziert werden. Entscheidungen des Mattenrichters sind unwiderruflich. Zu den Regelverstößen gehören Aktionen, die den Gegner verletzen können, zum Beispiel Beinscheren, Hebelaktionen an anderen Gelenken als dem Ellenbogengelenk, Wegfegen des Standbeines von der Innenseite her, Angriffe gegen Nacken und Wirbelsäule, Abwehr von Griffen durch Tritt, Stoß oder Schlag, absichtliches Auf-den-Gegner-werfen. Kampfsprache ist Japanisch. Alle Techniken, die während des Kampfes angewendet werden, alle Regeln und Verstöße haben japanische Namen. Außerhalb Japans dürfen jedoch Übersetzungen angewendet werden. Zuschauer können dem Kampfverlauf aber durchaus auch ohne Kenntnis der Fachausdrücke folgen.
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